Wer ist von der 99%-Initiative betroffen?

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Durch den hohen Freibetrag sind nur die Allerreichsten von der Initiative betroffen. Um den vorgeschlagenen Freibetrag von 100‘000 Franken Kapitaleinkommen zu erreichen, sind bei einer angenommenen Rendite von ca. 3% mindestens 3 Millionen Franken angelegtes Vermögen nötig. Ein entsprechendes Vermögen besitzen in der Schweiz nur rund 80‘000 Steuerpflichtige – also rund 1% der Bevölkerung.[1]

Eine tatsächliche höhere Besteuerung ist bei einem Vermögen von 3 Millionen Franken aber sehr unwahrscheinlich: Im Normalfall haben Menschen nicht ihr gesamtes Vermögen in gewinnbringende Anlagen investiert, da ein Teil ihres Vermögens aus Gebrauchsgütern wie einem selbstbewohnten Haus besteht, das keinen regelmässigen Profit abwirft.

Wer ist davon nicht betroffen?

Wer den Freibetrag von 100’000 Franken nur knapp übersteigt, muss dabei nur mit einer geringen zusätzlichen Steuerbelastung rechnen.
Unternehmen werden mit der Initiative explizit nicht höher besteuert, da die Initiative nur auf natürliche Personen zielt.


[1] Gemäss den Angaben der Gesamtschweizerischen Vermögensstatistik der natürlichen Personen der Eidgenössischen Steuerverwaltung (2020) verfügten im Jahr 2017 rund 81'730 Personen über ein Reinvermögen von mehr als 3 Millionen Franken. Dies entspricht 0.96% (also rund einem Prozent) der ständigen Wohnbevölkerung desselben Jahres (8'484’130 Personen, gem. Bundesamt für Statistik). Da aber im Normalfall nicht das gesamte Reinvermögen investiert wird, sind in der Umsetzung noch weniger Menschen von der Initiative betroffen.

Rechenbeispiel

Die Initiative sieht einen durchs Parlament zu bestimmenden Freibetrag vor. Kapitaleinkommensteile, die über diesem Freibetrag liegen, werden für die Berechnung der Steuererträge mal 1.5 gerechnet. Es wird also das steuerbare Einkommen für die Berechnung erhöht. Im nachfolgenden Beispiel wird mit dem von uns vorgeschlagenen Freibetrag von 100’000 Franken gerechnet:

Eine Person, die im Moment 170 Millionen Franken angelegt hat, erhält bei einer Rendite von 3%[1] rund 5.1 Millionen steuerbares Kapitaleinkommen. Bei einem Freibetrag von 100‘000 Franken werden dabei 5 Millionen 1.5fach gezählt, was 7.5 Millionen ergibt. Hierzu würden dann die 100‘000 Franken, die nicht betroffen sind, wieder dazugerechnet. Die besagte Person würde also neu über 7.6 Millionen statt 5.1 Millionen steuerbares Einkommen verfügen, was einen höheren Steuerbetrag zur Folge hat. Das steuerbare Einkommen wird anschliessend mit dem jeweiligen Steuersatz multipliziert, um die geschuldeten Steuern zu ermitteln.[2]
170 Mio. Steuerbares Investiertes Vermögen

170 Mio. x 3% = 5.1 Mio. Erwartete Kapitaleinkommen (bisher)

5.1 Mio. - 100’000 = 5 Mio. Abzug des Freibetrags

5 Mio. x 1.5 = 7.5 Mio. Neues steuerbares Einkommen über dem Freibetrag

7.5 Mio. + 100’000 = 7.6 Mio. Gesamtes steuerbares Einkommen

7.6 Mio. x Steuersatz Geschuldeter Steuerbetrag

Beispiel kantonale Steuer Zug:

5.1 Mio. x 8% = 326’399 CHF geschuldete kantonale Steuer ohne 99%-Initiative

7.6 Mio. x 8% = 486’399 CHF geschuldete kantonale Steuer mit 99%-Initiative

Beispiel kantonale Steuer Graubünden:

5.1 Mio. x 11% = 561’000 CHF geschuldete kantonale Steuer ohne 99%-Initiative

7.6 Mio. x 11% = 836’000 CHF geschuldete kantonale Steuer mit 99%-Initiative

Beispiel kantonale Steuer Freiburg:

5.1 Mio. x 13.5% = 688’500 CHF geschuldete kantonale Steuer ohne 99%-Initiative

7.6 Mio. x 13.5% = 1’026’000 CHF geschuldete kantonale Steuer mit 99%-Initiative


[1] Bei einer nicht spekulativen Anlagestrategie ist dies ein realistischer Wert. Er entspricht der durchschnittlichen Dividendenrendite der letzten Jahre am schweizerischen Aktienmarkt (Swiss All Share Index (2021), S. 1).

[2] Alle hier verwendeten Steuersätze entsprechen den aktuellen Spitzensteuersätzen (2021) für Alleinstehende gemäss den Kantonsblättern der Steuerverwaltung für die Kantone Zug, Graubünden und Fribourg (vgl. Übersicht der ESTV (2021)).